PRESSEMITTEILUNG

Zur vierten Ausgabe der Weltbühne

Berlin, 18. August 2025. Die Neuauflage der „Weltbühne“ Anfang dieses Jahres war seit ihrer ersten Ausgabe begleitet von Kontroverse und Furor. Eigentlich war das zu erwarten, wenn ein neues Blatt die Medienlandschaft bereichert, das vorhat, die Platzhirsche der Publizistik herauszufordern. Und das mit einem politisch konträr aufgestellten Herausgeberduo.

Der Furor war ein gar nicht so leiser Hinweis auf das, was das deutsche Feuilleton und den Mob in den sozialen Medien eint. Er folgt, wenn enger werdende Grenzen hinterfragt, Fragen zur Entwicklung einer Gesellschaft abseits der Mehrheitsmeinung diskutiert, oder gar demokratisch legitimierte Minderheitsmeinungen herausgefordert werden. Als Einladung zum Diskurs, einem zwar leidenschaftlichen, aber doch respektvollen Austausch von Positionen. Erkenntnistheoretisch am Konzept der Industrie oder der Wissenschaft angelehnt, dass Fehler zu Erkenntnis und damit zu Fortschritt führen. Die strikte Vermeidung von Fehlern hingegen zu Stagnation.

Diesen Furor werden wir mit der aktuellen, vierten Ausgabe der Weltbühne wohl erneut provozieren. Einerseits angestoßen durch die Auswahl brillanter Köpfe wie Ralph Stegner und Michael Brie, Vordenker ihrer jeweiligen Parteien, der deutschen Sozialdemokratie wie der Linken, die sich bereits früher und heute noch viel mehr unabhängig vom Zeitgeist positionieren.

Oder, exemplarisch für den Furor in deutschen Feuilletons, der von der ZEIT ausgeladene Weltkünstler Ai Weiwei, dessen dort nicht publizierbarer Text nun in der Weltbühne erscheint. In respektvoller Form erweist er Deutschland die Referenz. Souverän und doch schonungslos.

Gleichzeitig haben wir selbstverschuldet einen weiteren Konflikt provoziert, weil sich unsere redaktionellen Prozesse, insbesondere die Abstimmung zwischen den beiden Herausgebern, noch immer in einer Phase der Justierung befinden. Ob der Autor David Engels seinen Weg ins Blatt gefunden hätte, wenn alle Informationen vorgelegen hätten, wissen wir nicht. Wahrscheinlich nicht. Nun ist er mit einem Text über die zukünftige Rolle der KI als möglicher Ersatz zwischenmenschlicher Beziehungen im Blatt, wobei viel mehr als der Text die Person sowie politische Grundhaltung des Autors zu Kontroversen führt, nicht nur unter den Herausgebern. Gleichzeitig entsteht die Chance, eine oft besprochene, konträre Position im direkten Vergleich wahrzunehmen. Es wird ein Ausverhandeln für jeden Leser möglich. Linke und sozialdemokratische Positionen bestehen hier ohne Mühe.

Inwieweit Autoren mit Denkansätzen der intellektuellen Rechten in der Weltbühne vertreten sein können oder nicht, ist eine wichtige Diskussion, die wir engagiert führen. Damit stehen wir nicht allein, bestimmen dieses Fragen der Abgrenzung doch auch unseren politischen Alltag. Gleichzeitig sind wir uns einig, dass Positionen, die die universellen Freiheiten einschränken, die Ausgrenzung propagieren und Menschen egal welcher Herkunft und Individualität selektieren, keinen Platz im Blatt finden werden.

Dabei spielt auch die Frage eine Rolle, wie das Erbe Tucholskys, Ossietzkys oder Budzislawskis im 21. Jahrhundert würdig zu vertreten sei. Marktwirtschaftlich übersetzt: Sind wir als Brand „Weltbühne“ nicht doch eine Mogelpackung – oder würde uns die Abwesenheit rechter Positionen zu einer wenig differenzierten linken Zeitgeist-Zeitschrift machen? Haben wir eine Seite oder doch mehrere in uns?

Diskutiert wird auch, welches Ergebnis die Positionen einer strikt abgrenzenden Kontroverse sowie die Position einer kultivierten Debatte ermöglichen. Damals, vor dem Ende der ersten Weltbühne, führten die abgrenzenden Kontroversen zur Katastrophe.

Vielleicht gibt Ai Weiwei einen Hinweis, der die Frage, warum er in Kiew lebt und arbeitet, beantwortet mit: „Wo denn sonst? Die Ukraine steht unter Druck und den Unterdrückten ist beizustehen“. Dem es wichtig war, deutlich zu sagen, wie dankbar er Deutschland, dem Westen sei, sich als Künstler frei entfalten zu können. Dass mit der Demokratie die Freiheit der Kunst und die Freiheit des Wortes einhergeht. Und dass diese universellen Werte nicht nur in der Ukraine verteidigt werden müssen.

Die Herausgeber.

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